| Na bitte ... von Justus Vogt 1992 |
| ... es geht doch ! Das konnte wenigstens meine Frau am Abend des 12. Mai 1992 behaupten. Sprach´s - und musste am Stammtisch eine Runde ausgeben. Aber bis es soweit war, hatten wir einen anstrengenden und teilweise frustrierenden Tag hinter uns. Wir befanden uns zum obligatorischen Frühjahrsurlaub am Walchensee. Die letzten Tage hatten uns einige, meistens untermassige, Seesaiblinge, etliche Renken bis 44 cm Länge und eine untermassige Seeforelle, die mir fast die Rute aus dem Boot gerissen hätte, beschert. Am Morgen des 12. Mai waren wir um sechs Uhr in der Walchenseebucht zum Schleppen aufgebrochen. Wir schleppten zum Kraftwerk in der Einsiedelbucht, kreuzten ein wenig in der Bucht, um anschließend am Hackl vorbei bis nach Altlach zu rudern. Von dort kämpften wir uns gegen den starken Wind zurück in die Walchenseebucht, wo wir gegen 13 Uhr erschöpft ankerten. Nach ca. 15 geschleppten Kilometern, Tiefenänderungen und Köderwechseln, hatten wir nicht einen einzigen Biss zu verzeichnen - wir waren total frustriert. So kamen nun die Hegenenruten, das sind bei uns umgebaute Fliegenruten der Klassen 5 bzw. 7, zum Einsatz. Zwei Hegenen wurden im Flachwasser und zwei im tiefern Teil der Bucht versenkt. | |
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Für die Nicht-Hegene-Fischer sollte man vielleicht mal erklären, was das ist - eine Hegene. Eine Hegene ist eine Art Paternoster, 1,50 - 2 Meter lang, Schnurstärke der Hauptschnur 0,20 - 0,25 mm, an deren Ende ein Bleigewicht von 15 - 25 Gramm angebunden ist. Von der Hauptschnur stehen meistens 3 oder 5 Seitenarme ab, an denen einfache verschiedenfarbige Nymphen, also imitierte aufsteigende Insektenlarven, auf 16er - 12er Haken angebunden sind. Eine weiter Beköderung der Haken ist am Walchensee nicht erlaubt und auch nicht erforderlich. Man fängt damit Seesaiblinge, Renken, Barsche und manchmal auch eine Seeforelle. Nachdem wir also die Fische zu Tisch gebeten hatten, stärkten wir uns selbst erst einmal mit Butterbroten und Kaffee. Nach einer Stunde Wartezeit kam Bewegung in die Sache. Die Pose meiner im tieferen Wasser liegenden Angel begann zu tanzen, fiel um und tauchte dann blitzschnell ab. Ein Anschlag war nicht nötig und nach kurzem aber heftigen Drill lag eine Renke von 38 cm im Boot. Ich schlug den Fisch ab und legte die Rute neu aus. |
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Anschließend war schuppen und ausnehmen an der Reihe. Als ich damit fertig war, dauerte es noch eine weitere Stunde, dann begann im Flachwasser die Pose meiner Frau zu hüpfen. Dem langsamen Schnuraufnehmen folgte ein vorsichtiger Anschlag und das Schnurende signalisierte, dass er angekommen war. Der gehakte Fisch ließ sich ohne nennenswerten Widerstand in die Nähe des Bootes drillen. Doch dort explodierte er förmlich und ließ sich nur mit Mühe von den anderen Schnüren und von der Ankerleine fernhalten. Ich hatte in der Zwischenzeit den Kescher klargemacht und schaute gespannt zu, wie meine Frau den Fisch wieder in Bootsnähe brachte. Als wir den Fisch endlich zu Gesicht bekamen, schauten wir uns beide recht ungläubig an: "Gibt´s hier Karpfen ... ??" Der Fisch ließ sich problemlos keschern und eine Renke von 57 cm und viereinhalb Pfund lag im Boot. Nachdem wir uns von der Überraschung erholt hatten, beglückwünschte ich meine Frau, worauf sie meinte: "Na also, ... ", na, sie wissen ja ... Wir fischten noch bis 18 Uhr, aber kein Fisch ließ sich mehr überzeugen, sein Element zu verlassen. Übrigens - das Bier abends am Stammtisch hat mir hervorragend geschmeckt.
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